Fototipps Vol. 3: Der Faktor Zeit

Heute schreibe ich über eine weitere Erfahrung die ich in den letzten beiden Jahren gemacht habe. Es geht um einen zusätzlichen nicht zu unterschätzenden Faktor in der Fotografie, dem neben den technischen und bildgestaltenden Grundlagen eine wichtige Bedeutung zukommt:

Dieser Faktor heißt schlicht und einfach:

 

Zeit!

 

Zunächst eine kleine Vorgeschichte:

 

Bevor ich mich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt habe, war mein vorrangiges Ziel, nach einem Ausflug mit der Kamera möglichst viele Aufnahmen zu haben, je mehr, desto besser. Quantität statt Qualität. Schließlich wollte ich eine möglichst große Auswahl an Bildern und Motiven haben, in der Hoffnung dass ein paar gute dabei sind.

Doch das war eher zufällig, es mangelte den Bildern oft an Schärfe oder Ausschnitt war ungünstig, so dass das Bild beschnitten werden musste oder der Horizont war schief und musste korrigiert werden, das Bild war über- oder unterbelichtet und so weiter. Ich habe mir einfach zu wenig Zeit genommen für die optimale Umsetzung des Motivs.

Ein Vorteil dieser eher dokumentarischen Vorgehensweise ist hierbei natürlich nicht von der Hand zu weisen, denn es gibt viele Bilder für das Familienfotoalbum oder einen neuen Ordner auf der Festplatte. Als Erinnerung nach einem Urlaub z.B. ist das super, nach ein paar Monaten oder Jahren ist es toll, sich durch die Bilder zu klicken und das Erlebte Revue passieren zu lassen. Viele Bilder transportieren so eine bestimmte Emotion, die man selbst erlebt hat, und die sich für Außenstehende bei einem eher mittelmäßigen bis schlechten Foto nicht unbedingt erschließt.

 

 

Wozu das Ganze jetzt?

 

 

Mein Bestreben ist es bei jeder Tour, qualitativ hochwertige Aufnahmen zu machen, die z.B. eine besondere Stimmung haben oder eine schöne Lichtsituation wiedergeben, mit einem interessanten Motiv aus ansprechender Perspektive und die dazu noch den technischen Anforderungen für eine Ausbelichtung als Poster-, Acryl- oder Leinwanddruck etc. genügen.

Je mehr ich mich mit meinem Gebiet der Landschafts-, Natur- und Stadtfotografie auseinandersetze, desto bewusster wird mir, dass die Bilder und Ideen die ich gerne umsetzen möchte nicht mal eben im Vorbeigehen gemacht werden.

So gibt es viele Faktoren die von vornherein stimmen müssen und die sich teilweise nicht beeinflussen lassen. In der Outdoor Fotografie sind vor allem das richtige Licht und das passende Wetter entscheidend. Je nach Motiv können unterschiedliche Voraussetzungen zu einem interessanten Bild führen, hier nur ein paar Beispiele:

  • ein Wasserfall ist meist bei leichtem Regen schöner und stimmungsvoller als in prallem Sonnenlicht, wenn die weiße Gischt des Wassers völlig überbelichtet wiedergegeben wird
  • eine Skyline wird vor allem zur blauen Stunde nach Sonnenuntergang interessant, wenn die Beleuchtung an ist oder ggf. auch tagsüber, wenn die tiefstehende Sonne die Gebäude in ein warmes Licht taucht
  • ein paar Deko-Wölkchen am Himmel werten eine Landschaftsaufnahme ungemein auf

Entscheidend ist also, zur richtigen (Uhr-) Zeit vor Ort zu sein. Vor allem die frühen Morgen- und Abendstunden eignen sich hervorragend für stimmungsvolle Aufnahmen, in der steilen Mittagssonne werden wohl eher selten imposante Aufnahmen gelingen.

Doch vor allem die folgenden Aspekte spielen eine große Rolle:

 

Zeit zu planen

In unserer modernen Zeit ist es äußerst praktisch, dass sich vieles im Vorfeld genau planen lässt. Wann muss ich wo sein um gutes Licht für die Aufnahme zu haben, wo lohnt es sich überhaupt hin zu fahren? Hier spielen natürlich die persönlichen Interessen die zuerst entscheidende Rolle.

Im Internet finden sich viele Information zu Gegenden die einem fremd sind, mit Google Maps und / oder Google Earth lässt sich die Anreise einfach planen, für den Sonnenstand mit Uhrzeiten für den Auf- und Untergang sowie die Wettervorhersage gibt es zusätzlich diverse Apps für das Smartphone die einem das Planen sehr erleichtern (siehe auch mein Beitrag Fototipps Vol. 2)

Lediglich was das Wetter angeht gehört auch noch eine Portion Glück dazu, dass es wirklich so eintrifft wie vorhergesagt. Wobei gutes Wetter nicht immer auch gutes Fotografier-Wetter bedeutet: Oft stand ich z.B. schon auf einem Hügel oder Berg und wollte den Sonnenuntergang fotografieren, in der Hoffnung eine super Fernsicht zu haben. Nur war es dann dermaßen diesig, dass einfach kein gutes Bild dabei entstanden ist.

 

Zeit vor Ort für das Motiv

Ich nehme mir ausreichend Zeit vor Ort um mir für mein gewähltes Motiv eine gute Bildkomposition und Kameraposition (Perspektive) zu suchen. Meistens habe ich im Vorfeld schon eine konkrete Idee, nur die endgültige Umsetzung ergibt sich erst vor Ort.

Ist mein Ziel z.B. eine Stadtaufnahme während der blauen Stunde, so bin ich meistens schon etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang dort und gehe alles ab um die beste Perspektive zu finden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich eventuell noch weitere Motive für spontane Aufnahmen sofort oder für einen späteren Zeitpunkt finden und sich vielleicht noch ein schöner Sonnenuntergang festhalten lässt.

 

Zeit für das Kamera Setup

Habe ich einen Standort gefunden, so baue ich alles in Ruhe auf, die Kamera mit benötigtem Objektiv kommt auf das Stativ montiert, die Wasserwaage und der Kabelauslöser werden ebenfalls installiert (siehe auch mein Beitrag Fototipps Vol. 1). Dabei mache ich mir motivabhängig Gedanken, was ich erreichen möchte, soll die Schärfentiefe möglichst groß oder eher gering sein, brauche ich Filter (Grauverlauf, ND, Polfilter) etc.

Anhand erster Probeaufnahmen überprüfe ich ob alles passt, ob die Ausrichtung der Kamera stimmt oder ob es eventuell doch noch eine bessere Perspektive gibt.

 

Zeit für das richtige Licht

Das optimale Licht ist entscheidend für die Wirkung des Motivs. Hierfür ist manchmal ein wenig Geduld und Ausdauer gefragt bis z.B. die Sonne den richtigen Stand hat, der Sonnenuntergang am schönsten ist, bis die Straßenbeleuchtung angeht etc.

Vor allem bei Aufnahmen am Abend vergeht schnell eine Stunde oder mehr, in der ich dann in regelmäßigen Abständen Aufnahmen mache (meistens direkt Belichtungsreihen). So kommen viele Aufnahmen ein und desselben Motivs zusammen, die sich hauptsächlich in der Lichtstimmung unterscheiden.

Bei der Sichtung am PC suche ich daraus dann die optimalen Aufnahmen für die weitere Bearbeitung aus.

So erhalte ich zwar wesentlich weniger unterschiedliche Motive als wenn ich alles Mögliche knipsen würde, nur weiß ich schon im Vorfeld, dass mit 99%iger Wahrscheinlichkeit eine Aufnahme gibt die meiner Vorstellung entspricht.

 

Geduld

Wer kennt es nicht… der optimale Bildausschnitt ist gefunden, alles ist eingerichtet und im Prinzip fertig für die Aufnahme. Und ständig laufen Leute durch das Bild, ein Flugzeug fliegt am Himmel, Autos, Busse und sonstige Verkehrsteilnehmer stören die Stimmung. Sofern diese für die Bildkomposition unerwünscht sind, heißt es oft: geduldig warten, bis nichts und niemand mehr das Bild stört.

Was bei Langzeitbelichtungen oft weniger problematisch ist (zumindest sich bewegende Personen lassen sich so ganz gut unsichtbar machen), kann bei kürzeren Belichtungszeiten oft zu einem echten Geduldsspiel werden.

 

Die Zeit im Nacken

Unter Zeitdruck lässt sich schlecht fotografieren. Dies führt schnell zu Stress und es geht der Spaß dabei flöten. Ein weiterer Grund, weshalb ich mir gerne Zeit lasse und lieber viel zu früh als kurz vor knapp vor Ort bin.

Eventuell ergibt sich auch noch das ein oder andere Gespräch mit interessierten Passanten oder anderen Fotokollegen was auch ein angenehmer Nebeneffekt sein kann. Es fällt halt einfach auf wenn man in kompletter Montur unterwegs ist oder irgendwo rumsteht 🙂

 

Zeitmangel

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen nicht alles bis in kleinste Detail geplant werden kann, oder sie fehlt einfach, die Zeit. Im Urlaub kann das zum Problem werden, weil die Zeit dort bekanntlich sehr bzw. zu schnell vorüber ist. Wenn dann die Wetterbedingungen nicht stimmen kann das die Foto Touren durchaus einschränken.

In diesem Fall hilft es höchstens, vor Ort zu improvisieren und sich andere Ziele zu setzen oder noch einmal wieder zu kommen, was den Vorteil hat, dass die Gegend dann nicht mehr völlig fremd ist. Ortskenntnis ist trotz aller Planungsmöglichkeiten via Internet und Apps ein enormer Vorteil.

 

Résumé

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

 

Nimm dir Zeit für die Planung und die Umsetzung des Motivs, lass es vor Ort auf dich wirken, suche eine gute Perspektive und warte das richtige Licht ab.

 

Deine Bilder werden davon profitieren, garantiert.

Mittlerweile bin ich froh, wenn ich nach einer Tour ein bis zwei richtig gute Motive habe, es müssen nicht mehr sein. Mein Grundsatz ist Qualität statt Quantität und nicht mehr umgekehrt.

Bei meinem letzten Fotoausflug nach Hamburg habe ich zum Beispiel genau die Bilder gemacht die ich haben wollte. Im Vorfeld habe ich mir die Locations schon rausgesucht, sie mir tagsüber vor Ort angeschaut um dann zum richtigen Zeitpunkt für die Aufnahme bereit zu sein. Wettermäßig war das Glück voll auf meiner Seite und die Vorhersage hat wirklich gestimmt. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und freue mich auf die nächste Tour.

Die Aufnahmen findest du hier.

 

Dies sind meine Gedanken zum Thema Zeit – du hast eigene oder andere Erfahrungen gemacht? Oder sonstige Anmerkungen und ergänzende Hinweise?

Ich freue ich mich über einen Kommentar oder eine Nachricht.

 

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