Lanzarote – Insel aus Feuer, Lava und Licht

Kaum eine andere Kanareninsel zeigt ihren vulkanischen Ursprung so offen wie Lanzarote. Schwarze Lavafelder ziehen sich über weite Teile der Landschaft, rötliche und ockerfarbene Vulkankegel erheben sich aus der kargen Ebene und an der Küste trifft der tiefblaue Atlantik auf dunkles Gestein. Dazwischen liegen überraschend helle Strände, kleine Buchten und Aussichtspunkte, von denen sich die ganze außergewöhnliche Vielfalt der Insel überblicken lässt.

Auf meiner Reise über Lanzarote haben mich vor allem diese starken Gegensätze fasziniert. Die Landschaft wirkt vielerorts beinahe unwirklich und verändert sich mit dem Licht ständig. Am frühen Morgen treten die Farben der Vulkanhänge besonders deutlich hervor, während am Abend warmes Licht über Lava und Felsen fällt und selbst die kargsten Landschaften für kurze Zeit zu leuchten beginnen.

Dieser Reisebericht führt durch einige der eindrucksvollsten Landschaften Lanzarotes – von der Küste bei Playa Blanca und den Buchten von Papagayo über die raue Westküste und das vulkanische Herz der Insel bis zu den gewaltigen Famara-Klippen und den Aussichtspunkten im Norden.

Playa Blanca – wenn der Tag am Atlantik beginnt

Im Süden Lanzarotes liegt Playa Blanca. Abseits der belebteren Bereiche zeigt sich die Küste hier besonders am frühen Morgen von einer ruhigen Seite.

Noch bevor das kräftige Tageslicht die Landschaft bestimmt, liegen Meer und Himmel in zurückhaltenden Farben. Wolken und Dunst können das erste Sonnenlicht abschwächen und sorgen dafür, dass die Küste vollkommen anders wirkt als wenige Stunden später.

Morgens an der Küste in Playa Blanca auf Lanzarote
Morgens an der Küste in Playa Blanca

Westlich von Playa Blanca wird die Umgebung zunehmend offener. Der Weg in Richtung Punta Pechiguera führt durch eine karge Landschaft, in der sich der Leuchtturm schon aus größerer Entfernung als markanter Orientierungspunkt abzeichnet.

Die Kombination aus weitem Himmel, trockener Vulkanlandschaft und dem leicht geschwungenen Küstenweg wirkt beinahe minimalistisch. Gerade solche einfachen Motive passen für mich besonders gut zu Lanzarote, weil die Landschaft oft von wenigen klaren Formen lebt.

Weg zum Leuchtturm von Playa Blanca auf Lanzarote
Weg zum Leuchtturm von Playa Blanca

Papagayo – goldener Sand zwischen Vulkanhängen

Nur wenige Kilometer entfernt zeigt Lanzarote eine überraschend andere Seite. Die geschützten Buchten von Papagayo gehören zu den bekanntesten Stränden der Insel und bilden einen starken Kontrast zu den schwarzen Lavafeldern und dunklen Felsküsten vieler anderer Regionen.

Besonders im weichen Morgenlicht entfaltet die Playa de Papagayo ihren eigenen Charakter. Die hellen Felsen umschließen eine menschenleere Sandbucht, in der das türkisfarbene Wasser sanft an den Strand läuft. Ein schmaler Weg führt zwischen den kargen Hängen hinunter zum Meer und unterstreicht die geschützte Lage der Bucht.

Playa de Papagayo auf Lanzarote
Playa de Papagayo

Von anderen Standpunkten wird sichtbar, wie stark die Bucht in die vulkanische Landschaft eingebettet ist. Im Hintergrund erhebt sich der Hacha Grande und bildet mit seiner dunklen Silhouette einen markanten Gegenpol zum hellen Sand und zum türkisfarbenen Wasser.

Playa de Papagayo und Hacha Grande auf Lanzarote
Playa de Papagayo und Hacha Grande

Gerade diese Kombination macht Papagayo so charakteristisch: Lanzarote verliert hier nichts von seinem kargen, vulkanischen Erscheinungsbild und zeigt gleichzeitig eine beinahe mediterran wirkende Küstenlandschaft.

Los Hervideros – wo Lava und Atlantik aufeinandertreffen

An der Südwestküste verändert sich die Szenerie grundlegend. Bei Los Hervideros trifft der Atlantik mit großer Kraft auf eine zerklüftete Küste aus erstarrter Lava.

Über Jahrhunderte hat das Meer Höhlen, Öffnungen und bizarre Formen in das vulkanische Gestein gearbeitet. Bei stärkerem Wellengang dringt das Wasser tief in diese Hohlräume ein und schießt als Gischt wieder nach oben. Der spanische Name „Los Hervideros“ lässt sich sinngemäß mit den „kochenden Töpfen“ verbinden – eine passende Beschreibung, wenn die Brandung zwischen den schwarzen Felsen arbeitet.

Am Abend bekommt dieser ohnehin eindrucksvolle Küstenabschnitt noch einmal eine andere Wirkung. Das warme Licht legt sich über das dunkle Gestein, während in den Vertiefungen bereits tiefe Schatten entstehen.

Los Hervideros auf Lanzarote am Abend
Los Hervideros am Abend

Die Landschaft zeigt hier besonders deutlich, wie eng die beiden Kräfte miteinander verbunden sind, die Lanzarote bis heute prägen: Vulkanismus und Atlantik.

El Golfo – Grün zwischen Schwarz, Rot und Blau

Nur wenig weiter nördlich liegt eine der ungewöhnlichsten Farbkombinationen Lanzarotes. Bei El Golfo befindet sich der Charco de los Clicos, dessen intensiv grüne Wasserfläche innerhalb eines teilweise vom Meer geöffneten Vulkankraters liegt.

Das Grün der Lagune trifft auf schwarzen Sand, rötlich-braune Kraterwände und das tiefe Blau des Atlantiks. Gerade aus etwas erhöhter Perspektive werden diese klar voneinander getrennten Farbbereiche besonders sichtbar.

Grüne Lagune bei El Golfo auf Lanzarote
Grüne Lagune bei El Golfo

Dieser Ort wirkt fast wie eine Zusammenfassung der Insel auf kleinstem Raum: Vulkanismus, Meer und kräftige natürliche Farben liegen unmittelbar nebeneinander.

Durch die Lavafelder ins Herz der Insel

Hinter der Westküste beginnt jene Landschaft, die Lanzarote besonders unverwechselbar macht. Straßen führen durch scheinbar endlose Lavafelder, an deren Horizont sich Vulkankegel in unterschiedlichen Braun-, Rot- und Schwarztönen erheben.

Auf manchen Strecken wird bereits die Straße selbst zum Motiv. Zwischen dunklen Lavaflächen und kahlen Vulkanhängen zieht sie sich durch eine Landschaft, in der kaum Vegetation von den geologischen Formen ablenkt.

Straße zu den Vulkanen auf Lanzarote
Straße zu den Vulkanen

An anderer Stelle durchschneidet das Asphaltband die erstarrten Lavaströme beinahe wie eine künstliche Linie in einer ansonsten vollkommen naturbelassen wirkenden Umgebung.

Straße durch die Lavafelder auf Lanzarote
Straße durch die Lavafelder

Solche Ansichten vermitteln besonders gut die Dimension der vulkanischen Gebiete. Was auf einzelnen Fotografien oft wie ein begrenzter Abschnitt aussieht, zieht sich in Wirklichkeit über weite Teile der Insel.

Timanfaya – Lanzarotes Landschaft aus Feuer und Lava

Das Zentrum dieser Vulkanwelt bildet der Timanfaya-Nationalpark. Die heutige Landschaft wurde entscheidend von den großen Ausbrüchen des 18. Jahrhunderts geprägt, als über mehrere Jahre hinweg Lava große Teile des Südwestens Lanzarotes überdeckte.

Bis heute ist die Vegetation in weiten Bereichen äußerst spärlich. Dadurch bleiben die Formen der Krater, Lavaströme und Vulkanhänge nahezu unverstellt sichtbar. Je nach Mineralzusammensetzung wechseln die Farben zwischen Schwarz, Braun, Rostrot, Ocker und beinahe violetten Tönen.

Blick in den Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote
Blick in den Timanfaya Nationalpark

Diese Landschaft besitzt eine Wirkung, die nur schwer mit anderen europäischen Reisezielen vergleichbar ist. Manche Bereiche erinnern eher an eine fremde Planetenoberfläche als an eine Insel im Atlantik.

El Cuervo – dem Vulkan ganz nah

Auch außerhalb des eigentlichen Nationalparks lässt sich die vulkanische Vergangenheit Lanzarotes unmittelbar erleben. Einer der eindrucksvollsten Orte dafür ist der Volcán del Cuervo.

Ein Wanderweg führt durch das dunkle Lavafeld zum Krater. Gerade aus etwas größerer Entfernung wird die nahezu regelmäßige Form des Vulkans deutlich.

Besonders im ersten Licht des Tages verändert sich seine Wirkung. Die Sonne erreicht zunächst nur einzelne Flanken, während große Bereiche noch im Schatten liegen. Dadurch treten Strukturen hervor, die bei höher stehender Sonne schnell verloren gehen.

Blick zum Vulkan El Cuervo auf Lanzarote im ersten Sonnenlicht
Blick zum Vulkan El Cuervo im ersten Sonnenlicht

Auf dem Weg zum Vulkan steht man schließlich unmittelbar zwischen den erstarrten Lavaströmen. Die Landschaft wirkt karg, aber keineswegs eintönig – überall unterscheiden sich Oberflächen, Formen und Farbtöne.

Weg zum Vulkan El Cuervo auf Lanzarote
Weg zum Vulkan El Cuervo

Montaña Colorada – wenn der Vulkan Farbe bekommt

Nicht weit vom El Cuervo entfernt erhebt sich die Montaña Colorada. Schon ihr Name verweist auf das auffälligste Merkmal: die rötlichen und orangefarbenen Töne ihrer Flanken.

Je nach Sonnenstand treten diese Farben unterschiedlich stark hervor. Zwischen schwarzem Lavagestein und dem blauen Himmel wirkt der Vulkan besonders intensiv und zeigt, dass Lanzarotes Vulkanlandschaften keineswegs nur aus Grau und Schwarz bestehen.

Montana Colorada auf Lanzarote
Montana Colorada

Gerade die Nähe verschiedener Vulkanformen macht diesen Teil der Insel fotografisch besonders abwechslungsreich. Innerhalb weniger Kilometer verändern sich Farben, Strukturen und Silhouetten immer wieder.

Caldera Blanca – ein heller Krater über dunkler Lava

Noch deutlicher wird dieser Kontrast an der Caldera Blanca. Der helle Vulkankegel hebt sich auffällig von den jüngeren, wesentlich dunkleren Lavafeldern seiner Umgebung ab. Mit einem Durchmesser von rund 1,2 Kilometern gehört der Krater zu den größten Lanzarotes.

Caldera Blanca auf Lanzarote
Caldera Blanca

Die unterschiedlichen Entstehungszeiten der Vulkanlandschaften sind hier praktisch im Gelände ablesbar. Ältere helle Hänge stehen unmittelbar neben deutlich jüngeren Lavaflächen – ein weiteres Beispiel dafür, wie offen Lanzarote seine geologische Geschichte zeigt.

Vulkanlandschaft im ersten Licht

Besonders eindrucksvoll ist das zentrale Lanzarote für mich in den Minuten rund um den Sonnenaufgang.

Noch bevor die Sonne über den Horizont steigt, zeigt sich Lanzarotes Vulkanlandschaft in einer besonderen Stimmung. Über den dunklen Silhouetten der Vulkankegel leuchtet der Himmel bereits in kräftigen Gelb- und Orangetönen. Im Vordergrund zeichnen sich schwarzes Vulkangestein, verstreute Felsbrocken und vereinzelte Sträucher ab.

Vulkanlandschaft

Gerade dieser Kontrast zwischen dem farbenprächtigen Himmel und der noch weitgehend im Schatten liegenden Landschaft macht den Moment fotografisch so reizvoll. Die klaren Formen der Vulkane treten besonders deutlich hervor und verleihen der Szenerie eine fast unwirkliche Atmosphäre.

Famara – Weite zwischen Atlantik und Steilwand

An der Nordwestküste wartet eine Landschaft, die sich deutlich von den Vulkanfeldern im Zentrum unterscheidet. Der Playa de Famara erstreckt sich unterhalb des gewaltigen Risco de Famara entlang des Atlantiks.

Die breite Sandfläche, das offene Meer und die steil aufragenden Felswände erzeugen ein Gefühl von Weite, das selbst für Lanzarote außergewöhnlich ist.

Besonders am Abend entwickelt Famara eine eindrucksvolle Atmosphäre. Das warme Sonnenlicht taucht die mächtigen Steilwände in intensive Gold- und Orangetöne und hebt ihre zerklüfteten Strukturen hervor. Am Strand treffen sanfte Wellen auf den hellen Sand, während zahlreiche vom Meer geformte Steine im Vordergrund liegen.

Abendstimmung am Playa de Famara auf Lanzarote
Abends am Playa de Famara

Während Papagayo im Süden geschützt und beinahe ruhig wirkt, zeigt sich der Atlantik hier wesentlich offener und kraftvoller.

Über den Klippen von Famara

Wie gewaltig diese Küstenlandschaft tatsächlich ist, wird erst von oben vollständig sichtbar. Vom Mirador de El Risco de Famara reicht der Blick entlang der mächtigen Steilküste und über den weit unterhalb liegenden Strand.

Aus dieser Perspektive bilden Klippen, Sand und Atlantik lange Linien, die sich weit durch die Landschaft ziehen.

Mirador de El Risco de Famara auf Lanzarote
Mirador de El Risco de Famara

Das Panorama gehört für mich zu den Ansichten, die die landschaftliche Vielfalt Lanzarotes besonders gut zeigen. Nur wenige Kilometer von den schwarzen Lavafeldern entfernt öffnet sich hier eine vollkommen andere, beinahe monumentale Küstenlandschaft.

Mirador Rincón de Haría – Blick über die Steilküste

Im Norden Lanzarotes öffnet sich vom Mirador Rincón de Haría ein weiter Blick über die Steilküste in Richtung Playa de Famara. Tief unterhalb ziehen sich die Klippen des Risco de Famara entlang der Küste, während der Atlantik bis zum Horizont reicht.

Besonders am Abend gewinnt diese Landschaft an Wirkung. Das warme Licht hebt die Strukturen der Felsen hervor, während sich die weiter entfernten Küstenabschnitte zunehmend im Dunst verlieren.

Mirador Rincón de Haría auf Lanzarote
Mirador Rincón de Haría

Aus dieser erhöhten Perspektive wird deutlich, wie markant die Nordwestküste Lanzarotes geformt ist. Steile Felswände, offene Weite und der Atlantik bestimmen hier das Bild.

Der Blick nach La Graciosa

Ganz im Norden öffnet sich schließlich der Blick über die Meerenge El Río nach La Graciosa. Die kleine Nachbarinsel liegt unmittelbar vor der Küste Lanzarotes und wirkt aus der Höhe beinahe wie eine Fortsetzung der vulkanischen Landschaft.

Vom Mirador de Guinate eröffnet sich ein weiter Blick über die Steilküste und den Atlantik.

Mirador de Guinate auf Lanzarote
Mirador de Guinate

Von weiteren Aussichtspunkten zeigt sich La Graciosa mit ihren Vulkankegeln, hellen Sandflächen und dem intensiv blauen Meer besonders deutlich.

Blick von Lanzarote nach La Graciosa
Blick von Lanzarote nach La Graciosa

Mit diesem Panorama endet die Reise durch eine Insel, die auf vergleichsweise kleiner Fläche erstaunlich viele unterschiedliche Landschaftsbilder vereint.

Lanzarote – eine Landschaft, die vom Vulkanismus erzählt

Lanzarote besitzt eine ganz eigene Ästhetik. Vieles, was andernorts karg oder lebensfeindlich wirken würde, entwickelt hier durch Formen, Farben und Licht eine besondere Schönheit.

Schwarze Lavafelder treffen auf rötliche Vulkankegel, helle Strände liegen zwischen dunklen Felsen und unmittelbar neben einer rauen Atlantikküste beginnen Landschaften, die fast vollkommen trocken und vegetationslos erscheinen.

Speziell diese Reduktion macht die Insel für mich fotografisch so interessant. Wo kaum Bäume oder Bebauung vom Wesentlichen ablenken, bestimmen Linien, Strukturen und Licht das Bild. Ein einzelner Vulkankegel, eine Straße durch ein Lavafeld oder wenige Minuten warmes Morgenlicht können ausreichen, um eine Landschaft vollständig zu verändern.

Wer Lanzarote nicht nur von seinen Ferienorten aus betrachtet, entdeckt deshalb eine Insel, deren Charakter eng mit ihrer vulkanischen Vergangenheit verbunden ist. Vom stillen Morgen an der Südküste über die Feuerberge im Inselinneren bis zu den mächtigen Klippen von Famara und den Ausblicken nach La Graciosa zeigt Lanzarote immer wieder ein anderes Gesicht.

Weitere Fotografien aus Lanzarote

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Lanzarote als Fotokalender

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