Nun also doch: Willkommen Nikon Z 7

Nikon Z 7 spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor
Nikon Z 7 spiegellose Systemkamera

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, auf eine Kamera mit Vollformatsensor umzusteigen. In den meisten Fällen bin ich mit dem APS-C System gut zurechtgekommen, doch in letzter Zeit geriet ich immer Öfter an die Grenzen des kleineren Sensors, z.B. bei Motiven in der blauen Stunde, kritischen Lichtsituationen, hohen Dynamikumfängen etc.

Die APS-C Sensoren fangen deutlich früher an zu Rauschen und in mancher Situation geht ISO 100 einfach nicht mehr, wenn nicht minutenlang belichtet werden kann. Am meisten hat mich jedoch gestört, dass ich durch den optischen Sucher in der Dämmerung / Dunkelheit einfach nichts mehr erkennen kann.

Sonnenuntergang am Rheinufer in Köln | Nikon Z 7

Nikon hatte Mitte 2018 die Z Serie vorgestellt, zwei spiegellose Systemkameras mit neuem, größeren Objektiv Bajonett, digitalem Sucher, Fünf-Achsen-Bildstabilisator des Sensors etc. Verfügbar war als erstes die Z 7 mit 45,7 Megapixeln, gefolgt von der Z 6 mit 24,5 Megapixeln. Zunächst hat mich das gar nicht so sehr gereizt, ich hatte mir zwar mal eine Kamera angeschaut, doch irgendwie hat es mich einfach nicht gepackt, zumal es am Anfang kaum Objektive für das neue System gab, und die älteren Objektive mit einem Adapter zu verwenden kam für mich nicht in Frage, da ich zusätzlich zum Kamerabody auch alle Objektive hätte neu kaufen müssen (DX Objektive passen nicht oder nur sehr eingeschränkt an ein FX System). Wenn schon eine Systemumstellung, dann sollen es auch Objektive sein, die dafür ausgelegt sind.

Dazu kam der Umstand, dass als Speichermedium nur sündhaft teure XQD Speicherkarten (64 GB kosten aktuell um die 160 €) verwendet werden können, nur ein Kartenslot vorhanden ist und somit keine direkten Backups auf einer zweiten Karte in der Kamera möglich sind. Als Natur- und Landschaftsfotograf kann ich vermutlich besser damit umgehen als z.B. ein Hochzeitsfotograf. Ich kann die Bilder nach jeder Foto Tour auf meinem Tablet und/oder über das Tablet auf einer weiteren SD-Karte sichern, das kostet nur mehr Zeit für die Sicherung an sich. Wenn jedoch eine komplette Hochzeitsserie verloren geht, dann gute Nacht! Auch wenn das wohl sehr unwahrscheinlich ist, dass eine Speicherkarte komplett den Geist aufgibt, doch mit einem vorhanden Backup lebt es sich dann einfach besser.

Ich hatte zum Glück in den letzten 6 Jahren keinen Kartenfehler, außer dass mal ein Schreibschutzschalter abgebrochen ist. Die Karte konnte dennoch gelesen werden. Danach wurde sie entsorgt und für ein paar Euro eine neue gekauft. Apropos Schreibschutz: Den gibt es bei XQD leider nicht, definitiv ein Nachteil wenn man mehrere Karten in Verwendung hat. Bei SD-Karten war für mich immer klar: Wenn der Schreibschutz aktiviert ist, kann die Karte nicht verwendet werden, es sind noch aktuelle Bilder enthalten. Bei einer zweiwöchigen Fototour ein großer Vorteil.

Durch den hohen Strombedarf des digitalen Suchers und Monitors sind im Vergleich zu einer DSLR deutlich weniger Aufnahmen pro Akkuladung möglich, was in meinem Fall jedoch nicht so tragisch ist, da ich eh schon genug Akkus aus meinen älteren Kameras habe die alle passen. Diese Akkus sind zwar nicht über USB-C aufladbar (das funktioniert nur mit dem neuen Akku EN-EL15b), doch das ist mir persönlich nicht wichtig.

Kölner Dom und Hohenzollernbrücke | Nikon Z 7

Nach tagelangem Recherchieren, lesen von Test- und Erfahrungsberichten, Anschauen von YouTube Videos sowie dem Probebearbeiten von RAW-Dateien aus dem Internet habe ich mir nun dazu entschieden, eine Z 7 zu bestellen, im Kit mit dem NIKKOR Z 24-70 mm 1:4 S Objektiv und dazu noch das NIKKOR Z 14-30 mm 1:4 S Ultraweitwinkelobjektiv, das eine hervorragende Abbildungsqualität liefern soll. Dieses Objektiv mit der Brot und Butter Brennweite für Landschaftsfotografie ist für mich das wichtigste und der allergrößte Vorteil ist, dass es ein Filtergewinde besitzt um Verlaufsfilter, Polfilter etc. zu verwenden, ohne eine große, umständliche und teure Filterkonstruktion für Objektive wie das AF-S NIKKOR 14-24 mm 1:2,8 ED, das bisherige Top Weitwinkelobjektiv von Nikon mit gewölbter Frontlinse.

Ich würde mir noch etwas mehr Telebrennweite wünschen, doch leider ist das angekündigte 24-120 mm Objektiv noch nicht verfügbar, das werde ich dann ggfs. später austauschen.

Die Frage, ob es wirklich die gut 900 Euro kostenintensivere Z 7 sein muss mit den 45,7 Megapixeln oder ob nicht doch die kleinere Z6 ausreicht, hat mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Letzten Endes habe ich in den teureren Apfel gebissen und mich für die hohe Auflösung entschieden, um noch etwas Reserve zu haben für Bildausschnitte oder bei perspektivischen Korrekturen, da geht gerne mal etwas Bildinhalt verloren. Zudem liegt mein Hauptaugenmerk auf großformatigen Drucken, da schadet eine höhere Auflösung nicht, auch wenn sie nicht zwingend notwendig ist (siehe hierzu meinen Beitrag „Die Druckauflösung dpi“). Zwar muss man aufgrund der kleineren Pixel durch die hohe Auflösung mit dem Kompromiss leben, dass der Sensor bei höherer ISO Empfindlichkeit etwas schneller rauscht, jedoch ist das noch lange kein Vergleich zu meiner APS-C Kamera.

Weiterer Pluspunkt der Z 7 ist die enorme Anzahl an Fokuspunkten (493 statt 273 bei der Z 6), die bis an den Bildrand gelegt werden können. Bei DSLRs ist das Feld deutlich kleiner.

Die geringere Serienbildanzahl der Z 7 ist für mich nicht von Bedeutung.

Abendsonne im Medienhafen Düsseldorf | Nikon Z 7

Soweit eine kurze Übersicht der Hauptgründe, die mich dazu bewegt haben, auf das neue System umzusteigen. Bei einer Cashback-Aktion von Nikon und der zusätzlich gesenkten Mehrwertsteuer auf 16 % schlug ich also bei einem Fotohändler meines Vertrauens zu, der zusätzlich noch ein unschlagbar gutes Angebot für das Z 7 Kit mit 24-70 mm Objektiv und einer 64 GB XQD-Karte hatte.

Holá! Da ist sie also die Neue. Nach einer kleinen Lokalrunde an drei Abenden in der näheren Umgebung (siehe Bilder in diesem Beitrag) kann ich jetzt schon sagen: die Investition hat sich definitiv gelohnt. Exzellentes Rauschverhalten, die hohe Auflösung macht richtig Spaß (eine Bilddatei hat 8256 x 5504 Pixel), es sind richtig viele Details erkennbar. Die Objektive bilden knackscharf ab und der Dynamikumfang des Sensors ist sensationell. In der Bildbearbeitung lässt sich richtig viel aus den Dateien herausholen.

Die Menüführung ist Nikon typisch, wer eine ältere Nikon Kamera hat, wird sich schnell zurechtfinden. Lediglich ein paar neue Begriffe und Funktionen tauchen auf, es gibt nun z.B. keine Spiegelvorauslösung mehr (logisch, es ist ja kein Spiegel vorhanden), die Funktion heißt nun „Belichtungsverzögerungsmodus“.

Sehr schön finde ich bei der Z 7 die native Lichtempfindlichkeit von ISO 64, darunter gibt es noch zwei weitere Stufen, LO 0,3 (entspricht ISO  50) und LO 2 (entspricht ISO 32). Ideal für längere Belichtungszeiten z.B. bei Wasserfällen, da wird dann wohl kein ND-Filter mehr notwendig sein.

Zusätzlich zu den verlustfrei komprimierten und verlustbehafteten komprimierten RAW-Formaten steht noch ein unkomprimiertes Format zur Verfügung. Die unkomprimierten Dateien sollen die höchste Bildqualität liefern, seitens Nikon heißt es: „Diese Einstellung bietet durch den Verzicht auf jegliche Komprimierung die beste Bildqualität.“ Klingt logisch. Die Dateien sind zwar zwischen 80 und 90 MB groß, doch ich habe den Eindruck, dass Lightroom sogar etwas schneller arbeitet. Vermutlich liegt es daran, dass die komprimierten Formate im Hintergrund erst entpackt werden müssen.

Sonnenuntergang im Medienhafen Düsseldorf
Sonnenuntergang im Medienhafen Düsseldorf

Bisher sind mir nur wenige Punkte aufgefallen, an die ich mich erstmal gewöhnen muss, wie zum Beispiel:

  • Der Sensor der Z 7 hat keinen Tiefpassfilter (im Gegensatz zur Z 6), dadurch können bei feinen Strukturen Moiré-Effekte auftreten (hatte ich z.B. bei dem Bild „Sonnenuntergang im Medienhafen Düsseldorf“ in einigen Jalousien im zweiten Gebäude von rechts, neben den beiden Hyatt Klötzen). In Lightroom kann dieser Effekt jedoch mit wenigen Klicks entfernt werden.
  • Auf dem Monitor gibt es keine Möglichkeit, sich im Aufnahmemodus nur das Bild anzeigen zu lassen, ohne Einstellungssymbole an den Bildrändern. Das erschwert die Komposition ein wenig, wenn genau hinter einem der Symbole z.B. ein Stein liegt und man die Umrisse nicht erkennen kann. Dann hilft es nur, durch den Sucher zu schauen, dort lassen sich die Symbole ausblenden (im sogenannten Fotomodus). Das ist bei Aufnahmen in Bodennähe etwas unpraktisch.

Das waren meine ersten Eindrücke mit der neuen Z 7. Im Laufe der nächsten Zeit werde ich sicher noch den einen oder anderen Punkt herausfinden und den Artikel ggfs. ergänzen und über weitere Erfahrungen berichten.

Am Rheinufer bei der Uerdinger Brücke in Krefeld | Nikon Z7

UPDATE:

Laut der Gerüchteküche Nikon Rumors sollen noch dieses Jahr die Nachfolger Z 6s und Z 7s erscheinen bzw. angekündigt werden, angeblich u.a. mit zwei Kartenslots. Das Speichermedium ist noch nicht bekannt, ob XQD oder SD oder beides gemischt.

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